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Die Geburt eines Lichtes

Als vor zwei Jahren bei
meinem Sohn Moritz ein Gehirntumor entdeckt wurde, stürmten viele dunkle
Gefühle auf mich ein. Angst, Panik, Wut, Kummer und auch Hilflosigkeit.
Dieses Gefühl der Hilflosigkeit aber war letztlich Triebfeder für die
Entstehung des "Lebenslichtes".
Denn - was konnte/kann ich wirklich tun? Medizinisch war mein Kind
versorgt, psychologisch betreut - bei Bedarf. Meine Aufgabe war der
tägliche Kampf mit der Nahrungsaufnahme und der Fahrdienst zum
Krankenhaus.
Als ein anderes Kind auf der K5 in akuter Gefahr schwebte, habe ich zu
Hause eine Kerze entzündet und inniglich an dieses Kind gedacht, man
könnte auch sagen - ich habe gebetet. Plötzlich fühlte ich mich nicht
mehr hilflos, mir selbst gab dieser kurze Moment der Besinnung Ruhe und
Kraft, und so entstand der Gedanke, eine Andacht für schwerkranke Kinder
und Jugendliche zu organisieren. Natürlich kann jeder jederzeit in eine
Kirche gehen und beten oder in seinem stillen Kämmerlein an sein Kind
denken. Aber welche Kraft kann sich entfalten, wenn wir gemeinsam in einer
Absicht zusammen kommen und diese Kraft bündeln?
Meine Freundin und Patentante meines Sohnes, Anke Geißler, war sofort von
dieser Idee angetan. Gemeinsam gestalteten wir eine Form, die vielleicht
Menschen in ähnlichen Situationen ansprechen könnten.
Danach fragten wir die Pastorin Frau Hanne Reinhard, ob sie sich
vorstellen könnte, mit uns diese Andacht zu gestalten. Sehr zu unserer
Freude, erklärte sie sich bereit, uns zu unterstützen.
Ein Ort musste gefunden werden und natürlich musste ein Tag festgelegt
werden. Die Einladungskarten erstellt, verteilt und verschickt und der
Ablaufplan geschrieben und kopiert werden. Vieles musste bedacht werden
und manchmal wurde uns Angst und Bange. Natürlich beschäftigte uns die
Frage, wie viele Menschen wohl kommen werden. Einmal hatten wir Angst,
dass die "Alte Kirche" in Querum viel zu klein sei, und ein anderes Mal
sahen wir uns allein in der Kirche sitzen.
Aber wir hatten auch viele Helfer:
Vielen Dank den Dominikanern der St. Albertus Magnus Gemeinde, die uns für
unser "Lebenslicht", besonders langleuchtende Teelichter schenkten.
Vielen Dank an Ursula Reiff, die diese Kerzen für uns besorgte und uns mit
vielen Teelichthaltern und kleinen Vasen versorgte.
Vielen Dank an Jirka Adamek, der uns auf der Orgel begleitet hat.
Vielen Dank an die St. Lukas Gemeinde in Querum, die uns diesen schönen
Ort zur Verfügung gestellt hat.
Vielen Dank an den Verein Weggefährten e.V., der die Kosten des
"Lebenslichts" übernommen hat.
Der Abend selber? War sozusagen eine Uraufführung, wir hatten nicht
geprobt und ich war erstaunt, wie sich alles ineinander fügte. Wenn gute
Zutaten in eine Schüssel gerührt werden, dann kann der Teig gedeihen und
zu einer bekömmlichen Speise werden.
Persönlich möchte ich
ganz besonders unserer Pastorin Frau Reinhard danken, die sehr einfühlsame
Worte gefunden hat. Aber nicht nur der Inhalt der Worte ist entscheidend,
wenn es um menschliche Berührung geht, sondern hier spürte man die Absicht
die dahinter stand und die innere Kraft und Stärke mit der gesprochen
wurde.
Ja - ich habe geweint, aber ich war nicht traurig, sondern in mir löste
sich etwas und das durfte fließen.
"Mache dich auf, werde licht . . ." waren die Eingangsworte der Predigt
und diese Worte trage ich seither in mir. Sie gelten für jeden Menschen,
hier kann sich jeder angesprochen fühlen, ob gesund oder krank, alt oder
jung.
Als wir hinterher noch eine Weile vor der Kirche standen, sah ich nur
leuchtende Gesichter. Ein kleines Licht durfte groß werden, weil jeder es
in sich trug.
Gern wollen wir im nächsten Jahr dieses "Lebenslicht" noch einmal leuchten
lassen.
Es war schön, bei der
Geburt dabei zu sein, jetzt wollen wir es wachsen sehen.
Schauen wir lichtwärts wenn wir im Dunkel wandeln.
Marie Ehrenreich-Lampe
Die Erlebnisse vor, während und nach der
Andacht "Lebenslicht" habe ich in einem Gebet verabeitet.
Wenn es Nacht wird in uns
Und die Dunkelheit all die
ungeweinten Tränen unserer Augen umhüllt
Sendest du uns einen Engel des
Lichts.
Er führt unsere Hand mit
tröstender Gebärde
Und lenkt unseren Schritt in
lichtvolle Zukunft.
Unermüdlich hält er wacht,
geduldig – bis
Die Sonne wieder aufgeht auf
unserem Gesicht
Aus der Kraft unseres Herzens
Und aus der Liebe unserer Seele.
Anke Geißler |